Das größte Country-Festival der Welt in Nashville/Tennessee

Kein anderer Stil ist so typisch amerikanisch wie Country Musik. In Verbindung mit einsam durch endlose Landschaften dahinreitenden Kuhhirten in Karohemd, Chaps und Stetson oder knisternder Lagerfeuer-Romantik bildet sie ein Genre, das klischeelastiger kaum sein kann. Dabei hat Country Musik mit dem viel gepriesenen und oft verklärten Wilden Westen ursprünglich so gar nichts zu tun...
 

Amerikanisches Kulturgut mit europäischen Wurzeln


Die mit dem Begriff "Country und Western" bezeichnete Musikrichtung ist genau genommen ein Crossover unterschiedlicher Genres, das auf Elementen irischer und englischer Volksmusik basiert. Erst durch die Übernahme bzw. das Hinzufügen anderer Bestandteile formierte sich daraus die heute bekannte Country Musik. Den größten Einfluss übten dabei die so genannten Cowboy-Songs aus, deren Ursprünge in Kalifornien, Oklahoma und Texas liegen. In ihnen besangen die umherziehenden Viehtreiber das karge, entbehrungsreiche Leben während der immer wieder kehrenden Trails und bedienten sich dabei - wenn überhaupt - nur sehr einfacher Instrumente. Erst, nachdem Hollywood in den 1930-er Jahren das Bild vom "lonesome Cowboy" entdeckt und uminterpretiert hatte, gesellten sich im Zuge der erfolgreichen Vermarktung Elemente aus anderen Genres wie Jazz, Blues und Old Time dazu.
Noch heute gibt es innerhalb der Country Musik unterschiedliche, einander überschneidende Strömungen. Während die Traditionalisten eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Texte und Melodien mit klassischen Instrumenten befürworten, geben sich die so genannten Erneuerer hinsichtlich moderner Stile, Begleitung und Ausdruck experimentierfreudig; die am Kommerz Orientierten hingegen suchen aus Prestige- und Erfolgsgründen die Anlehnung an aktuelle Popmusik und lassen E-Gitarren, Schlagzeuge und Bässe einfließen. Alle drei Bewegungen finden auf dem Country Festival in Nashville/Tennessee ihre Bühne -- und das im wahrsten Sinne des Wortes.
 

Warum ausgerechnet in Nashville?


Obwohl die ersten Tonaufnahmen von Country Musik aus Bristol stammen, wurde der Grundstein für deren Verbreitung nicht in dieser Stadt, sondern in Nashville gelegt: 1925 gründete das Versicherungsunternehmen "National Life & Accident Insurance Company" hier eine Radiostation, die wöchentlich live eingespielte Konzerte von Country Musik übertrug. Bis heute sendet die "Grand Ole Opry" mit nahezu ungebrochener Popularität und hat ihren historischen Standort nur ein einziges Mal geringfügig verändert. Seit 1974 ist sie etwas außerhalb Nashvilles angesiedelt - befindet sich aber weiterhin auf dem Territorium des Bundesstaates Tennessee.
Das Nashviller Country Festival selbst geht auf eine Initiative der "Country Music Association" (kurz CMA) zurück, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1958 der kommerziellen Förderung und Anerkennung der Country Musik verschrieben hat. Zu ihren größten Errungenschaften gehören die seit 1961 bestehende dauerhafte Einrichtung der "Country Music Hall of Fame" und die jährlich im Spätherbst stattfindende Verleihung der "CMA-Awards", die als DAS nationale Ereignis Amerikas gilt und eine entsprechend große mediale Beachtung findet.
 

Was macht das Country Festival von Nashville so besonders?


Obwohl die Sänger sich auf dem traditionsreichen Country Festival häufig genug wenig traditionsbewusst geben und modernen Einflüssen folgend in Muscle-Shirt und Basecap oder mit flächendeckenden Tätowierungen auftreten, ist das alljährliche Treffen ein Muss für Fans der Country Musik. Echte Befürworter lassen sich durch kaum etwas abschrecken, denn für sie stehen nach wie vor die Inhalte der Songs im Vordergrund. Und die erzählen auch heute noch vom Leben mit seinen individuellen Höhen und Tiefen.
Allerdings wird in Nashville nicht der bestraft, der zu spät kommt, sondern all jene, die es nicht abwarten können und zu früh da sind. Hier wird nämlich auch beim Country Festival keine Kneipentür geöffnet und keine Saite gezupft, bevor die Gottesdienste der Stadt beendet sind. Wer dennoch bereits im Vorfeld etwas erleben will, muss einfach nur in der "richtigen" Lokalität absteigen.
 

Eine Bar voller Geschichte und Geschichten


Zu einer dieser Einrichtungen gehört das "Tootsies". Es gilt seit seiner Modernisierung Anfang der 1990-er Jahre unter Insidern zwar als reine Touristenfalle, verströmt aber noch immer einen geringen Hauch der großen Zeit, die die Bar in den Anfangsjahren des Country Festival zur geschichtsträchtigsten aller Kneipen in Nashville machte. Statt Legenden wie Willie Nelson und Big Jeff verkehren heute Chartstürmer wie Kid Rock oder Kris Kristofferson im "Tootsies" und sonnen sich ein wenig im Glanz der Erinnerungen, auf denen ihre Beiträge zur Country Musik aufbauen. Durch ihre modernen Interpretationen und das alljährliche Country Festival lebt die Tradition in Nashville fort und lässt die Stadt zu Recht den ehrenwerten Titel "Music City USA" tragen.
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